- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000946
- Oct 1, 2025
- SUCHT
- Annett Lotzin + 1 more
Zusammenfassung: Ziel: Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und Substanzkonsumstörungen treten häufig gemeinsam auf. Beide Erkrankungen sollten bei der Therapieplanung angemessen berücksichtigt werden, um langfristig eine effektive Behandlung zu gewährleisten. Im Artikel werden psychotherapeutische Strategien zur Behandlung komorbider posttraumatischer Belastungsstörungen und Substanzkonsumstörungen vorgestellt und die Evidenz für ihre Wirksamkeit diskutiert. Methode: In einer selektiven Übersicht werden metaanalytische Befunde zur Behandlung der Komorbidität von posttraumatischen Belastungsstörungen und Substanzkonsumstörungen referiert. Ergebnisse: Es liegen mehrere psychotherapeutische Behandlungsprogramme vor, die speziell für die Behandlung von komorbiden posttraumatischen Belastungsstörungen und Substanzkonsumstörungen entwickelt worden sind. Hierbei zeigten Behandlungsansätze, die traumafokussierte Interventionen zur Behandlung der PTBS beinhalteten, die größten Effektstärken bezogen auf die PTBS-Symptomatik. Suchtbezogene Symptome konnten durch integrierte Behandlungsansätze ebenfalls reduziert werden. Schlussfolgerungen: Bei komorbiden posttraumatischen Belastungsstörungen und Substanzkonsumstörungen sollte eine Behandlung beider Störungen erfolgen. Zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung sollten hierbei traumafokussierte Interventionen ebenso eingesetzt werden wie bei Patienten mit PTBS ohne komorbide Substanzkonsumstörung.
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000955
- Sep 26, 2025
- SUCHT
- Carolin Kilian + 6 more
Zusammenfassung: Zielsetzung: Während die Alkoholindustrie öffentlich für einen „verantwortungsvollen“ Alkoholkonsum wirbt, deuten Studienergebnisse aus anderen Ländern darauf hin, dass mehr als die Hälfte ihres Umsatzes auf Personen mit schädlichem Alkoholkonsum zurückzuführen ist. In dieser Studie untersuchen wir, ob dies auch auf Deutschland zutrifft. Methodik: Daten zur allgemeinen erwachsenen Bevölkerung (18–64 Jahre) stammen aus vier Quellen: 1) Epidemiologischer Suchtsurvey (2018, 2021), 2) Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (2018), 3) Bevölkerungsstatistik (2018) und 4) Branchenstatistik zum Alkoholumsatz (2018). Wir berechneten die Bevölkerungs-, Alkoholkonsum- und Umsatzanteile für drei Alkoholkonsumkategorien (d. h. niedrig riskanter, riskanter, hochriskanter Konsum), wobei wir die getränkespezifischen Konsummengen und Ausgaben nach Geschlecht, Alter, Einkommen und Alkoholkonsumkategorie berücksichtigten. Ergebnisse: Dreizehn Prozent der in Deutschland lebenden erwachsenen Bevölkerung war in den letzten 12 Monaten abstinent. Die Mehrheit (71.9 %, 95 % Konfidenzintervall [KI] [71.2 %–72.7 %]) der Erwachsenen trank niedrig riskant, 12.9 % (95 % KI [12.3 %–13.5 %]) riskant und 2.0 % (95 % KI [1.7 %–2.2 %]) hochriskant. Personen mit riskantem und hochriskantem Alkoholkonsum konsumierten mehr als die Hälfte des verkauften Alkohols und generierten einen Umsatz von 5.71 Mrd. € – die Hälfte des Gesamtalkoholumsatzes in Deutschland . Schlussfolgerung: Die Hälfte des Alkoholumsatzes wird in Deutschland durch riskanten und hochriskanten Alkoholkonsum erwirtschaftet. Dies veranschaulicht den Konflikt zwischen dem selbsterklärten Engagement der Industrie zur Prävention von Gesundheitsschäden und ihren kommerziellen Interessen.
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000950
- Sep 22, 2025
- SUCHT
- Jens Kalke + 3 more
Zusammenfassung: Zielsetzung: Die sozialen oder gesundheitlichen Auswirkungen einer Glücksspielproblematik betreffen nicht nur die Glücksspielenden selbst, sondern auch deren soziales Umfeld (affected others, AO). Im vorliegenden Beitrag werden Art und Intensität dieser spezifischen Belastungssituation der AO untersucht. Methodik: Datengrundlage ist eine querschnittliche Befragung der Bevölkerung in Deutschland (16–70 Jahre) zum Thema Glücksspiel, die telefonisch oder onlinegestützt durchgeführt wurde. In die vorliegenden Analysen wurden nur Personen ohne eigene GS-Problematik (nach DSM-5) einbezogen (n=12.030). Art und Intensität der Belastungen der AO wurden mit dem Instrument GHS-10-AO erhoben und deskriptiv nach soziodemografischen Variablen ausgewertet. Ergebnisse: Insgesamt geben 3.2 % (n=348) der Befragten an, mindestens eine Person aus dem engeren sozialen Umfeld mit einer GS-Problematik zu kennen. Von diesen AO berichtet nahezu die Hälfte (47.6 %) von 1 bis 3 Belastungen, 15.7 % geben 4 bis 6 und 9.6 % 7 oder mehr Belastungen an. Frauen sind im Vergleich zu Männern signifikant häufiger sowie intensiver durch eine GS-Problematik aus dem sozialen Umfeld betroffen. Schlussfolgerungen: Die dargestellten Befunde verweisen darauf, dass die Belastungssituation der AO ein relevantes Problem der öffentlichen Gesundheit darstellt. Ein bedarfsgerechtes Präventions- und Hilfeangebot für diesen Personenkreis sollte zukünftig stärker in den Fokus von Praxis und Forschung rücken.
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000944
- Aug 12, 2025
- SUCHT
- Tobias Turowski + 3 more
Zusammenfassung: Zielsetzung: Ziel des Projektes ist die Evaluation der technischen Spielerschutzmaßnahmen von Online-Glücksspiel, die der Glücksspielstaatsvertrag 2021 vorgibt. Methodik: Das Forschungsprojekt gliedert sich in insgesamt drei Forschungsstränge, aufgeteilt auf zwei Module. Modul 1 besteht aus zwei onlinebasierten Teilmodulen. In Modul 1a werden Mitglieder eines Online-Panels mit insgesamt N = 5000 Teilnehmenden zu drei Zeitpunkten im Längsschnitt differenziert zu ihrem Glücksspielverhalten, Online-Spielerschutzmaßnahmen, Inanspruchnahme von optionalen Limitierungssystemen und des Suchthilfesystems befragt. Verschiedene psychometrische Instrumente ergänzen diese Inhalte. Die Teilnehmenden teilen sich in die Zielgruppe der Online-Glücksspielenden (n = 3000) sowie zwei Kontrollgruppen (rein terrestrisch Glücksspielende und Menschen ohne Glücksspielkontakt in ihrem Leben; je n = 1000) auf. Flankierend wird in Modul 1b der Kundenstamm von Anbietern von Online-Glücksspielen per E-Mail direkt zu einer Online-Befragung eingeladen. In Modul 2 werden mit einem erheblich verdichteten Fragebogen Personen im Querschnitt befragt, die aufgrund von durch Online-Glücksspiele ausgelösten Problemen das Suchthilfesystem aufgesucht haben. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse können im Rahmen der vorgeschriebenen Gesamtevaluation für eine evidenzbasierte Fortschreibung des Staatsvertrages genutzt werden, die dem Public-Health-Ziel einer Stärkung des Spielerschutzes bzw. der Suchtprävention dient.
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000938
- Aug 1, 2025
- SUCHT
- Daniel Kotz + 5 more
Zusammenfassung: Zielsetzung: Ziel ist es, potenzielle methodische Einflüsse auf die Schätzung der bundesweiten Rauchprävalenz zu beschreiben. Es werden vier national repräsentative Studien zum Rauchverhalten in Deutschland verglichen: der Alkoholsurvey, die Deutsche Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA), der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) und die Studie Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA). Es werden Prävalenzschätzungen nach versuchter Harmonisierung der Daten (d. h. Angleichung methodischer Merkmale) in allen Studien berichtet, gefolgt von einer Schätzung der gepoolten meta-analytischen mittleren Rauchprävalenz für ausgewählte Altersgruppen. Methodik und Ergebnisse: Die vier Studien unterscheiden sich hinsichtlich der Stichprobenziehung, der Form der Datenerhebung (z. B. persönlich an der Haustür oder per Telefon), und in der Formulierung der Fragen und der Antwortoptionen zum Rauchverhalten. Eine Harmonisierung war nur teilweise möglich, und zwar hinsichtlich des Erhebungszeitraums (Jahr 2021) und der Einteilung der Altersgruppen. Die Neuberechnung nach dieser Teil-Harmonisierung ergab ähnliche Rauchprävalenzen in den Altersgruppen 14–17 Jahre und 65 Jahre oder älter. In den übrigen Altersgruppen blieben Unterschiede bestehen. Schlussfolgerungen: Unterschiede im methodischen Vorgehen können zu abweichenden Ergebnissen in bundesweiten Studien zur Rauchprävalenz führen. Die Arbeit liefert Ansatzpunkte für eine verbesserte Berichterstattung, wie der Berechnung von teilweise harmonisierten, gepoolten Schätzwerten für Kernzahlen wie der Rauchprävalenz.
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000935
- Jun 6, 2025
- SUCHT
- Heike Zurhold + 2 more
Zusammenfassung: Ziel: In Deutschland liegen nur wenige Erkenntnisse zu den Konsummustern und der Versorgung von Kokainkonsumierenden vor. Studienziel war, die Konsummuster, Auswirkungen, Hilfebedarfe und Hilfenutzung unter aktiven Kokainkonsumierenden zu untersuchen. Methode: Online-Befragung basierend auf einem standardisierten Fragebogen (Konsumgründe, SDS, Audit-C, BSI-18, selbst entwickelte Fragen). Teilnehmen konnten Erwachsene mit einem Kokainkonsum an mindestens 5 Tagen in den letzten 12 Monaten. 204 Teilnehmende wurden in die Analyse einbezogen, die drei Konsumgruppen zugeordnet wurden: Kokain gelegentlich (n = 52), regelmäßig (n = 72) und intensiv (n = 80). Ergebnisse: Die Befragten waren zu 60 % männlich, durchschnittlich 29 Jahre alt und in allen drei Gruppen sozial integriert. Statistisch signifikante Gruppenunterschiede fanden sich bei einer Kokainabhängigkeit (Gruppe 3: 50.5 % vs. Gruppe 1: 13.5 %, p ≤ 0.001), einem Kokainkonsum zum Coping von Depressionen und Sorgen (Gruppe 3: 45.6 % vs. Gruppe 1: 19.2 %, p = 0.008) und Aggressionen als negative Auswirkungen (Gruppe 3: 11.3 % vs. Gruppe 1: 1.9 %, p = 0.034). Weitere statistisch signifikante Gruppenunterschiede waren beim Bedarf nach professioneller Hilfe zur Reduktion des Kokainkonsums vorhanden (Gruppe 3: 38.0 % vs. Gruppe 1: 5.8 %, p ≤ 0.001). Insgesamt hat mehr als die Hälfte aller Befragten Online – Informationen genutzt. Schlussfolgerung: Mit steigender Konsumintensität nehmen psychosoziale Belastungen und Negativauswirkungen zu, so dass oftmals ein Hilfebedarf zur Regulierung des Konsumverhaltens besteht.
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000932
- Jun 1, 2025
- SUCHT
- Franziska Gudula Loth + 3 more
Zusammenfassung: Zielsetzung: Die ATEMM-Studie zielte darauf ab, ein krankheitsspezifisches, leitliniengerechtes Tabakentwöhnungsprogramm für chronisch (obstruktive) Atemwegserkrankungen (COPD) zu entwickeln, im realen Versorgungssetting zu implementieren und zu evaluieren. Methodik: Das prospektive, quasi-experimentelle Kohortendesign umfasste zwei Behandlungsarme und wurde multizentrisch in Sachsen und Thüringen durchgeführt. Die Minimalintervention (Treament as Usual) beinhaltete eine ärztliche Kurzberatung während der Routinesprechstunde. Die Maximalintervention umfasste ein vollfinanziertes, multimodales Tabakentwöhnungsprogramm mit einem pneumologisch geleiteten Gruppenkurs inkl. medikamentöser Unterstützung und einjähriger telefonischer Nachbetreuung. Bei schwerer psychischer Komorbidität bestand die Möglichkeit einer Kurzzeitpsychotherapie zur Tabakentwöhnung im Einzelsetting (Subgruppe der Maximalintervention). Eingeschlossen wurden Rauchende mit chronischem Husten und COPD. Die Studie untersuchte Machbarkeit, Akzeptanz und Nutzwert der Behandlungen. Es wurden u. a. die 12-Monats-Abstinenzquote multimodal inkl. biochemischer Verifizierung sowie sekundäre Endpunkte erhoben. Schlussfolgerungen: Die ATEMM-Studie setzte erstmals eine zielgruppenspezifische State of the Art-Tabakentwöhnung gemäß den S3-Leitlinien zulasten der GKV in der pneumologischen Routineversorgung um. Die Ergebnisse sollen zur Verbesserung der Versorgung von chronisch atemwegserkrankten Rauchenden mit evidenzbasierter Tabakentwöhnung beitragen.
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000931
- Jun 1, 2025
- SUCHT
- Tobias Hayer + 2 more
Zusammenfassung: Ziel: Seit dem 01.07.2021 können laut Glücksspielstaatsvertrag bundesweit verschiedene Formen des Online-Glücksspiels legal nachgefragt werden. Übergeordnetes Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, erstmals für Deutschland eine umfassende explorative Analyse von Selbstberichtsdaten zum Online-Glücksspielverhalten vorzulegen. Methodik: Die quantitativen Analysen fußen auf einer Erhebung im Querschnitt, die kurz vor Einführung des Glücksspielstaatsvertrages erfolgte. Als Datengrundlage dienen die Angaben von Mitgliedern eines Online-Access-Panels. Zur finalen Stichprobe (N = 2704; 62.7 % männlich; M = 45.5 Jahre) zählen Personen, die im letzten Jahr mindesten einmal an einem Glücksspiel im Internet teilgenommen hatten. Ergebnisse: Insgesamt lässt sich das Glücksspielverhalten des Samples als moderat bezeichnen. Unter allen Online-Glücksspielformen erwies sich das Zahlenlotto mit Abstand am beliebtesten; 20.2 % der Stichprobe nahmen zusätzlich auch an terrestrischen Glücksspielangeboten teil. Außerdem hatten 40 % Erfahrungen mit nicht-monetären Glücksspielen um Punkte, zumeist im Vorfeld des Glücksspielens um echtes Geld, gesammelt. Schließlich erfüllten 6.3 % der Befragten die DSM-5-Kriterien einer Störung durch Glücksspielen. Als Prädiktoren negativer Glücksspielkonsequenzen konnten u. a. die Anzahl genutzter Anbieter von Online-Glücksspielen sowie die Anzahl aktiver Glücksspieltage über alle Spielformen hinweg ermittelt werden. Schlussfolgerungen: Die Befunde sprechen für eine Ausweitung existierender Spielerschutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der Gesamtheit individueller Glücksspielaktivitäten (z. B. die Einführung plattformübergreifender Früherkennungssysteme im Internet).
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000933
- Jun 1, 2025
- SUCHT
- Research Article
- 10.1024/0939-5911/a000934
- Jun 1, 2025
- SUCHT
- Stephan Mühlig + 1 more