- Research Article
1
- 10.5167/uzh-208571
- Nov 1, 2020
- Kriminalistik
- Henriette Haas
Die klassische Beweiswurdigung des Lebenssachverhalts wird in diesem Aufsatz neueren akademischen Entwicklungen gegenubergestellt. Er dient der Auseinandersetzung mit tauglichen und untauglichen Interpretationsmethoden. Nicht alles was an Universitaten entwickelt wird, besteht anschliessend die lebenspraktische Prufung vor Gericht. Wie deckt man Pseudo-Beweise in rein appellatorischen Rechtsschriften oder unsachgemassen Gutachten auf?
- Research Article
1
- 10.5167/uzh-206426
- Oct 1, 2019
- Kriminalistik
- Henriette Haas
Obskurantistisch ist eine Argumentation dann, wenn sie unbelegbare oder faktenwidrige Behauptungen plausibel erscheinen lasst und Aufklarung zu behindern sucht. Parteien, die ihren Standpunkt vor Gericht schlecht belegen konnen, geben oft trotzdem nicht auf. Um nicht mit leeren Handen dazustehen, generieren sie Beweis-Illusionen mit wenig validen Argumenten – oft als Medienkampagne orchestriert. Dreistes Lugen wollen gut ausgebildete und situierte Leute jedoch wegen des Gesichtsverlusts beim Ertapptwerden vermeiden. Wie deckt man Beweis-Illusionen auf und wie vermeidet man, dass die eigene kriminalistische Analyse in ihrer Beweiskraft zu wenig in die Tiefe geht? Einem Thema wird hier besonderen Raum gegeben: Kausalitat und Intentionen. Beweis-Illusionen zeichnen sich durch ihren fehlenden Kausalbezug zur Gesamtheit der Materialien aus.
- Research Article
- 10.5167/uzh-137000
- Feb 1, 2017
- Kriminalistik
- Henriette Haas
Welche Bedingungen sind notwendig und hinreichend, um den vollen Beweisgehalt einer Aussage auszuloten und ihr allenfalls Glauben zu schenken? Sprachliche, logische und psychologische Aspekte werden hier in ein praxistaugliches Konzept zur Wurdigung von Aussagen vereint. Der Begriff Aussagenvaliditat (d.h. Belastbarkeit) mit vier Dimensionen ersetzt die schwammigen Begriffe „Wahrheit“ und „Glaubhaftigkeit“. Die formale sprachliche Validitat bedeutet Verbindlichkeit: Der Sprecher benutzt das Wort „ich“ und beschreibt die fraglichen Fakten als (ggf. widerlegbare) Behauptungen. Die Inhaltsvaliditat einer Aussage besteht erstens in der Ubereinstimmung mit anderweitig erhobenen Beweismitteln und zweitens in der inneren Schlussigkeit der Aussage. Die Beurteilung der Inhaltsvaliditat muss die Schwachen von menschlicher Wahrnehmung und Gedachtnis berucksichtigen. Die punktuelle Ubereinstimmung einer Aussage mit anderweitig ermittelten Ergebnissen (Anker) ist das Hauptkriterium der Inhaltsvaliditat, wohingegen ihre innere Schlussigkeit nur ein Hilfsmittel fur die Vernehmung darstellt. Subsidiar ist die Quellenvaliditat: Woher stammen die Informationen, welche die befragte Person wiedergibt? Mit diesem Ansatz kann man den Beweiswert der Aussagen erfassen, mehr Indizien uber spontan geausserte Bewusstseinsinhalte der befragten Person gewinnen und rhetorischen Ausweich-Manovern begegnen.
- Research Article
- 10.7892/boris.89130
- Jan 1, 2016
- Kriminalistik
- Carina Philipp + 4 more
Die vorliegende Untersuchung befasst sich mit Einflussen des Medienkonsums auf die von einer Schweizer Stichprobe vermutete Entwicklung der Kriminalitat in den letzten 10 Jahren sowie auf das Strafbedurfnis und die Kriminalitatsfurcht. Mit Hilfe eines Online-Fragebogens wurde eine Stichprobe von insgesamt 312 Personen befragt. Berucksichtigt wurden verschiedene Medienformen, darunter Fernsehnachrichten, Nachrichten in Papier- sowie Onlinezeitungen und Radionachrichten, Nachrichten in Papier- sowie Onlinezeitungen und Radionachrichten sowie das Niveau der jeweiligen Medien (offentlich-rechtlich vs. privat). Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Formen des Medienkonsums einen bedeutsamen Einfluss auf die Wahrnehmung der Kriminalitatsentwicklung sowie auf das Strafbedurfnis der Befragten haben. Ebenso spielt das Niveau des jeweiligen Mediums eine Rolle. Hinsichtlich der Kriminalitatsfurcht erwies sich der Einfluss des Medienkonsums hingegen als bedeutungslos. Die Ergebnisse werden in die bestehende Forschungslage eingeordnet und methodische Einschrankungen werden diskutiert.
- Research Article
- 10.7892/boris.59423
- Oct 1, 2014
- Kriminalistik
- Christian Jackowski + 2 more
Der Begriff Dunkelziffer beschreibt den Umstand, dass wir von einem Phanomen sprechen mussen, von dem man annimmt, dass es prasent ist, niemand es jedoch zu Gesicht bekommen hat. Sobald es sichtbar wurde, kann es nicht mehr der Dunkelziffer zugeordnet werden. Die Dunkelziffer ist definiert als das Verhaltnis zwischen den statistisch ausgewiesenen und den wirklich begangenen Straftaten. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff gleichwertig mit dem Begriff der Dunkelzahl verwendet. Im Weiteren wird vielfach auch allgemein vom Dunkelfeld gesprochen. Daraus leitet sich bereits die zentrale Problematik fur die Bearbeitung damit verknupfter Fragestellungen ab. Es liegen keine direkt zu erhebenden Zahlen vor! Um die Dunkelziffer trotzdem abschatzen zu konnen, muss sich indirekter Methoden bedient werden. Eine solche Moglichkeit soll im Folgenden bezogen auf die nicht-naturlichen Todesfalle naher vorgestellt werden.
- Research Article
- 10.5167/uzh-101080
- Jan 1, 2014
- Kriminalistik
- Volker Dellwo + 3 more
Stimmen sind individuell. Dieses Phanomen dient als Grundlage der forensisch-phonetischen Aufklarungsarbeit, mit der zum Beispiel Sprecheridentifizierungen, d. h. die Prufung, ob zwei Sprachaufnahmen von ein und demselben oder von unterschiedlichen Sprechern stammen, oder Sprecherprofilbildungen, d. h. die Herausstellung korperlicher Eigenschaften wie Geschlecht, Herkunft oder Alter aufgrund der Stimme, vorgenommen werden konnen. Der vorliegende Beitrag vermittelt grundlegendes Wissen uber den Sprechapparat und phonetische Theorien zur Sprachartikulation. Er versucht damit ein Verstandnis dafur zu entwickeln, warum sich Sprecher in ihren Stimmen unterscheiden. Dieses Wissen wird dann dazu verwendet, Moglichkeiten und Grenzen forensisch-phonetischer Methoden fur die Verbrechensaufklarung einschatzen zu konnen.
- Research Article
- 10.5167/uzh-91010
- Jan 1, 2014
- Kriminalistik
- Henriette Haas
Korperliche Gewalt und Drohungen sind ein Versuch der Tater, die Zivilisation auszuhebeln, um zum Gesetz des Dschungels zuruckzukehren. Die Psychologie der Gewaltsituation muss sich daher an den primitiven Instinkten orientieren, sie benutzt Erkenntnisse aus der Humanzoologie und der Neuropsychologie als Interpretationsschema. Ratschlage sollen unserem inneren Tier Rechnung tragen (dem der Tater und dem der Fachleute). Durch die Zivilisation ist uns das „Tierische“ unseres Wesens fremd geworden, obwohl evolutionare Uberlebens-Strategien, die sich uber alle Arten hinweg bewahrt haben, immer noch in uns aktiv sind. Wenn man sich ihrer gewahr wird, lassen sie sich taktisch besser nutzen, als wenn sie unbewusst und uberraschend ablaufen.
- Research Article
- 10.5167/uzh-97191
- Jan 1, 2007
- Kriminalistik
- Henriette Haas
Intelligent planende und gut ausgebildete Tater agieren oft in einem Grenzbereich zwischen unredlichen Machenschaften und Kriminalitat. Der Begriff EconCrime, der die veralteten Termini white collar crime und corporate crime ablost, wurde von Fischer & Hubschmid (2006) eingefuhrt: Unter EconCrime versteht man die Verletzung strafrechtlich geschutzter Wirtschaftsguter mittels Verwendung komplexer Technologien oder spezialisierten Know-hows, wobei mit wenig Aufwand ein grosses Schadenspotential geschaffen wird. Der PricewaterhouseCopper Global Economic Crime Survey (2005) notierte seit 2003 eine weltweite Zunahme der Wirtschaftskriminalitat um 8% auf der Basis einer Befragung von uber 3’600 Interviews mit fuhrenden Managern in 34 Landern. Der Bericht zeigte, dass keine Branche von Betrugereien verschont bleibt. Unlautere Machenschaften und Delinquenz kommen aber auch in staatlichen Institutionen (Spitalern, Hochschulen, sozialen Einrichtungen) und in Non-Government Organisationen und Vereinen vor. Die Tater mochten leichter zu Ansehen, Ruhm und Macht gelangen oder sie wollen aus der Norm fallende Bedurfnisse befriedigen (z.B. Padophilie und andere Paraphilien, Totungswunsche durch Euthanasie, fanatische Ideen, Geltungssucht). So suchen sie die betreffenden Institutionen ihrer eigentlichen Aufgabe zu entfremden, um sie in kleine Konigreiche umzuwandeln. Umgekehrt ist das Geld fur Wirtschaftskriminelle auch nicht bloss Selbstzweck, sondern sie wollen sich damit ebenfalls Liebe und Anerkennung erkaufen.
- Research Article
- 10.5167/uzh-97196
- Jan 1, 2004
- Kriminalistik
- Henriette Haas
Drohungen, anonyme Briefe, schriftlicher Unfug und andere unangebrachte Mitteilungen sollten als kriminalistische Indizien behandelt werden, die man im gegebenen sozialen, kulturellen und individuellen Kontext interpretieren muss. Kontextspezifisch sind Arbeitskonflikte, hausliche Gewalt, kulturelle Konflikte bei Immigranten, Gewalt und Drohungen gegen Beamte, Drohungen gegen Politiker usw. Das semiotische Model der Kommunikation besteht aus dem Absender (Tater), der Nachricht, dem Empfanger, dem designierten Opfer und Trittbrettfahrern. Um eine Situation einzuschatzen, mussen alle Elemente miteinbezogen werden.
- Research Article
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- 10.5167/uzh-97193
- Jan 1, 2003
- Kriminalistik
- Henriette Haas
Systematisches Beobachten ist ein 5 Stufiger Algorithmus, der dazu dient, den semantischen und formellen Gehalt von Texten und Bildern mit Hilfe allgemein akzeptierter kriminalistischer Prinzipien zu untersuchen. Er wird am Beispiel eines Anthraxbriefes vorgefuhrt.