- Research Article
- 10.18276/cgs.2025.34-03
- Jan 1, 2025
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Nathalie Besse
In dem Beitrag wird am Beispiel des deutsch-schweizerischen Regiekollektivs Rimini Protokoll, das bereits seit über 20 Jahren weltweit innovative Theaterstücke produziert, die Rolle des Zuschauers im postdramatischen Theater untersucht. Ausgehend von einigen theoretischen Überlegungen zum postdramatischen Theater, das in den 1970er-Jahren entstand und sich durch eine Vielzahl von Formen und Möglichkeiten auszeichnet, wird auf der Basis einer in der Forschung existierenden Grobeinteilung ein Vorschlag für die Klassifizierung der Zuschauerrollen in den Aufführungen von Rimini Protokoll präsentiert. Diese besprochenen unterschiedlichen Zuschauerrollen werden zugleich mit konkreten Beispielen von Inszenierungen des Regiekollektivs illustriert.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2025.34-06
- Jan 1, 2025
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Aleksandra Burdziej
Der Beitrag untersucht die Darstellung des technologischen Solutionismus in Theresa Hannigs Roman "Pantopia" (2022). Ziel der Analyse ist es, Narrative des technologischen Fortschritts und einer technologisch optimierten Gesellschaft in Hannigs Werk zu beleuchten. In diesem Zusammenhang werden rhetorische und narrative Strategien identifiziert, mit denen die Autorin ihre Zukunftsvision konstruiert. Darüber hinaus wird erörtert, inwiefern die im Roman dargestellte KI-gesteuerte Gesellschaft – die Weltrepublik Pantopia – auch dystopische Züge aufweist. Die Untersuchung zeigt, dass die Grenze zwischen Utopie und Dystopie fließend ist und technologische Heilsversprechen stets mit Kontrollmechanismen sowie einem potenziellen Verlust menschlicher Autonomie einhergehen. Hannigs Zukunftsvision oszilliert demnach zwischen Erlösung und Entmündigung der Menschheit und wirft grundlegende ethische Fragen zur Rolle der Technologie in der gesellschaftlichen Entwicklung auf.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2024.33-08
- Jan 1, 2024
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Joanna Franek-Zaborowska
Der Beitrag stellt die Frage nach dem Einfluss des Alters auf das Sprachverhalten von Germanistikstudierenden im Zusammenhang mit der Aktivierung des mentalen Lexikons. Das Ziel der durchgeführten Untersuchung ist es, zu prüfen, ob sich das Alter der Probanden auf ihr sprachliches Funktionieren in Bezug auf die deutsche Sprache auswirkt. Die Veränderungen, die sich mit zunehmendem Alter in den mentalen Prozessen vollziehen, sind multidimensional und hochgradig individualisiert. Die lexikalischen Einheiten aller Sprachen, die der Mensch sich angeeignet hat, die als mentales Lexikon bezeichnet werden, zeichnen sich durch unterschiedliche Verankerungsgrade aus. Dies schlägt sich in der Qualität und Quantität der Sprachproduktion nieder.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2024.33-06
- Jan 1, 2024
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Sławomir Kowalewski
Der Beitrag präsentiert Ergebnisse einer Analyse von Emotionen, die hauptsächlich auf den Annahmen der Diskurslinguistik und zum Teil auch der Medienlinguistik basiert. Im Fokus des Beitrags steht die Frage, wie Emotionen mittels Zeichen bzw. Zeichenkomplexe in Texten medialer Diskurse in Polen und Deutschland konstruiert, manifestiert und generiert werden, aber auch wie sie diese Diskurse formieren und Wirklichkeit (z. B. die deutsch-polnischen Relationen) mitgestalten können. Die Analyse von Emotionen ist ein relativ bekanntes und schnell wachsendes Phänomen, das seinen Ansatz in vielen Bereichen der Wissenschaft hat. Im sprachlichen Kontext von Medien und Diskursen analysiert die deutsche Emotionsforschung den Affekt jedoch eher selten. Deswegen gilt dieser Untersuchungsbereich als relativ unerforscht bzw. forschungsbedürftig. Die Analyse bezieht sich auf Texte aus der polnischen und deutschen Boulevardpresse, wobei die angeführten Beispiele in den meisten Fällen auf gesamteuropäische Diskursereignisse zurückgreifen, die über ein starkes Affektpotenzial verfügen.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2024.33-01
- Jan 1, 2024
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Dominik Müller
Unter den eher kontraintuitiven Begriffen der Erzähltheorie Gérard Genettes, die sich auch im deutschsprachigen Raum durchgesetzt hat, ist derjenige der ‚Nullfokalisierung‘ ein spezielles Ärgernis. Zum Anfang der Erzählung „Turmalin“ aus dem Zyklus „Bunte Steine“ von Adalbert Stifter scheint er aber zu passen und zu helfen, das Ausgefallene und Befremdliche der hier angewandten Erzählweise zu erfassen. Es geht um einen Ehebruch, der eine Familie zerstört. Statt aber darüber zu reden, konzentriert sich die Erzählung auf die Schilderung der Wohnungseinrichtung der Familie. Seitenblicke auf die Vorstufe der Erzählung, die einleitenden Erzählkommentare, auf Franz Grillparzers Novelle „Der arme Spielmann“ als Referenztext und auf die Schilderung verschiedener Kunstpraktiken, denen Figuren der Erzählung nachgehen, erlauben, das Ethos dieser höchst sonderbaren ‚Nullfokalisierung‘ deutlich zu machen: eine versehrte Ästhetik zur Darstellung versehrter Menschen.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2024.33-02
- Jan 1, 2024
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Kamil Antczak + 1 more
Hauptziel dieses Artikels ist es, den Vater-Sohn-Konflikt in "Der arme Spielmann" von Franz Grillparzer und "Das Urteil" von Franz Kafka darzustellen sowie einen diachronen Vergleich dieser Werke zu versuchen, um gemeinsame Elemente im Schaffen beider Autoren zu identifizieren. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Frage, welche Auswirkungen eine repressive Erziehung auf das weitere Leben des Individuums, seine Entwicklung und das Funktionieren in der Gesellschaft hat. Grundlage für die Beantwortung dieser Frage ist erstens die Charakterisierung der Figur des herrschsüchtigen Vaters sowie zweitens die seines Sohnes, der sich ihm nicht zu widersetzen vermag und letztlich die Rebellion und den Kampf um ein autonomes Leben aufgibt. Das Erkenntnisinteresse, das anhand dieser beiden Texte verfolgt wird, gilt der gestörten Vater-Sohn-Beziehung und der Abrechnung mit dem autoritären Elternteil, der das Leben des Kindes weitgehend bestimmt und sogar zerstört. Dieses Problem bezieht sich auch auf biografische Aspekte in den Werken von Grillparzer und Kafka, nämlich die Beziehung zum Vater und die Konfrontation mit seiner elterlichen Autorität.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2024.33-10
- Jan 1, 2024
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Piotr Owsiński
Der von Mariusz Jakosz (Katowice) und Marcelina Kałasznik (Wrocław) 2023 herausgegebene Sammelband "Corona-Pandemie im Text und Diskurs" thematisiert eine ganze Bandbreite ausgewählter Sprachwandelprozesse vor dem Hintergrund extralingualer Faktoren in Form der COVID-19-Pandemie sowie der damit zusammenhängenden Begleiterscheinungen, wie etwa Ängste, Beschränkungen, Schwächen, Einsamkeit, Hilflosigkeit usw. Im Rezensionsaufsatz wird erörtert, welchen Beitrag die konkreten, im genannten Sammelband enthaltenen Arbeiten der einzelnen Verfasser:innen aus den unterschiedlichen akademischen Zentren Polens und Europas zur Klärung sowie Veranschaulichung der Mechanismen der Anpassung von Sprache an die sich wegen der weltweiten Corona-Pandemie rasch verändernden Umstände der außersprachlichen Wirklichkeit leisten.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2024.33-04
- Jan 1, 2024
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Natalia Czudek
Im Hinblick auf globale Veränderungen wird in dem Artikel die Entstehung einer Gemeinschaft von Menschen mit nicht-menschlichen Akteuren in Franz Hohlers Kurzgeschichte "Die Rückeroberung" (1982) untersucht, wobei zugleich die anthropozentrische Perspektive zu hinterfragen ist. Hohler präsentiert in seinem Text ein Bild von Zürich, das von Tieren und Pflanzen dominiert wird, was zu Reflexionen über das gemeinsame städtische Leben führt und zum Nachdenken über soziale Beziehungen und Artengrenzen anregt. Vor diesem Hintergrund analysiert der Beitrag anhand der Ökokritik und der Akteur-Netzwerk-Theorie von Bruno Latour die Subjektivität des Menschen, die handelnden Kräfte in Netzwerken sowie die Beziehungen zwischen Gemeinschaftsmitgliedern. Dabei wird der Einfluss nicht-menschlicher Akteure auf die Wirklichkeit betont und die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Aktanten hervorgehoben, um zu verdeutlichen, dass der Mensch nicht der einzige Handlungsträger ist.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2024.33-03
- Jan 1, 2024
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Nathalie Besse
Der Lyriker Johannes Kühn, der in den 1980er-Jahren international bekannt wurde und mehr als 20 Gedichtbände veröffentlichte, gilt als renommiertester Dichter des Saarlandes. Der Beitrag präsentiert die Analyse von vier ausgewählten Gedichten des Lyrikers, die sich hauptsächlich auf zwei in Kühns Lyrik eng miteinander verwobene Themenbereiche konzentriert: Heimat und Natur. Als theoretische Grundlage der Gedichtanalysen dient dabei das Heimatkonzept des Kulturwissenschaftlers Hermann Bausinger. Gleichzeitig wird die These aufgestellt und belegt, dass Kühns Lyrik in der klassisch-romantischen Tradition steht, wobei sich insbesondere Parallelen zur Romantik erkennen lassen.
- Research Article
- 10.18276/cgs.2024.33-05
- Jan 1, 2024
- Colloquia Germanica Stetinensia
- Anna Dargiewicz
“Linguistic landscape research is a relatively young sociolinguistic subdiscipline”, stated Peter Backhaus in 2007. The research field of Linguistic Landscape, also referred to as LL, deals with the language visible in public space. The aim of the article is to prove this on the basis of the collected corpus that the city is not only a place of oral communication, but also a space where people communicate by means of the written word. Moreover, the texts present in public space are a confirmation of the creativity of the users of the German language, which is illustrated by the corpus obtained with the help of the Linguistic Landscape research. This creativity is reflected in the formation of linguistic forms, which are formed using the familiar rules of German word formation. These word formations are striking, surprising or thought-provoking due to their peculiarity, thus arousing the interest of the readers/viewers. They are linguistic neologisms and at the same time they prove that there is a need in society for increasingly striking communication patterns, whereby words/word-forming morphemes are combined in unusual, hitherto unexplored ways. As a result, the information communicated undoubtedly attracts more attention from the recipients.