Strom unter dem Fluss – Rheinquerung im HGÜ‐Projekt A‐Nord
Abstrakt Die Energiewende in Deutschland erfordert leistungsfähige Übertragungsnetze, um große Strommengen aus Offshore‐Windparks in die Verbrauchszentren zu transportieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Hochspannungs‐Gleichstromverbindung A‐Nord, die den Netzverknüpfungspunkt Emden‐Ost mit der Konverterstation Osterath bei Meerbusch verbindet. Ein technisch besonders anspruchsvoller Abschnitt dieses Projekts ist die Querung des Rheins bei Rees. Nach Untersuchung verschiedener Bauverfahren – darunter Mikrotunnelbau, Tunnelbau mit Tübbingausbau und Horizontalspülbohrung – erwies sich eine offene Bauweise in Form eines Kabeldükers als technisch und wirtschaftlich vorteilhaft. Dabei wurde zunächst eine rund 660 m lange Dükerrinne in der Gewässersohle durch Nassbaggerarbeiten hergestellt. Anschließend wurde eine an Land vormontierte Rohrkonstruktion mit acht HDPE‐Schutzrohren und einem Gesamtgewicht von etwa 555 t mithilfe einer leistungsfähigen Windenanlage in die vorbereitete Rinne eingezogen. Hydrographische Vermessungen, statische Berechnungen sowie eine kontinuierliche Lagekontrolle während der Bauausführung stellten die sichere Positionierung der Konstruktion sicher. Nach dem Einzug wurde die Rinne wieder verfüllt und durch Wasserbausteine dauerhaft gegen Erosion geschützt. Die Rheinquerung stellt damit ein technisch anspruchsvolles Schlüsselbauwerk im Netzausbau dar und liefert wichtige Erfahrungen für zukünftige Flussquerungen im Rahmen des Erdkabelausbaus.