Buchbesprechung Uszinski, M. (Hrsg.): Henry Walter Bates: Der Naturforscher am Amazonenstrom. Leben der Thiere, Sitten und Gebräuche der Bewohner, Schilderung der Natur unter dem Äquator und Abenteuer während eines elfjährigen Aufenthalts. 13,5 × 20,5 cm, 896 Seiten, in Leinen gebunden, Verlag der Pioniere, Flensburg 2024. Durchgesehene und kommentierte Ausgabe in der anonymen deutschen Übersetzung von 1866. Mit allen Abbildungen der Erstausgabe, einer beigelegten Karte und vielen zusätzlichen Illustrationen. ISBN 978-3-941924-10-9

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  • 10.21240/merz/2013.2.19
Romantische Naturinszenierung und dokumentarisch-harte Realität
  • Apr 2, 2013
  • merz | medien + erziehung
  • Markus Achatz

Zehn Jahre GENERATION 14plus. 2004 wurde erstmals eine eigene Programmschiene für Jugendliche und junge Erwachsene in Ergänzung zum bisherigen „Kinderfilmfest“ geschaffen. Anfangs noch mit geringerem Zulauf hat sich das kombinierte Programm aus Kplus und 14plus längst zu einer wichtigen Sektion der Internationalen Filmfestspiele in Berlin etabliert. Jedes Jahr lassen sich Geheimtipps und herausragende Beiträge des gesamten Festivals entdecken. Unter den 2013 größtenteils ausverkauften 25 Lang- und 35 Kurzfilmen bei GENERATION befanden sich zahlreiche Weltpremieren.Kontrovers diskutiert wird häufig, was dem jungen Publikum zuzumuten sei, ob die Filme für die Zielgruppe geeignet oder überhaupt für sie gemacht worden seien. Die Grenzen sind fließend und auch in diesem Jahr fanden sich einige Beiträge im Programm, die die kindlichen oder jugendlichen Zuschauerinnen und Zuschauer stark gefordert – manchmal überfordert – haben. Weit weg vom Mainstreamkino werden Themen wie Krieg, Gewalt, zerrissene Familien, Verlust und Tod bearbeitet. Für das Publikum eröffnen sich intensive und authentische Blickwinkel in andere Welten und Kulturen, die jenseits von Gleichmacherei und Standardisierung individuelle Schicksale und persönliche Geschichten nah und mitfühlbar werden lassen. Das erzeugt auch Reibungen und Unbequemlichkeiten. Doch warum sollten wir dies verhindern wollen? Der Kinder- und Jugendfilm braucht den Mut zu Herausforderungen und zur Auseinandersetzung. Ein sektionenübergreifendes Merkmal vieler Filme im diesjährigen Festival war der Trend zu stark dokumentarischen Zugängen. Sowohl in den Inszenierungen als auch in der technischen Umsetzung und der Wahl filmischer Stilmittel. Die Grenzen zwischen Fiction und Non-Fiction flossen ineinander.Beeindruckend waren die Filme häufig dann, wenn das Leben und die Gesellschaft konsequent aus dem Blickwinkel der heranwachsenden Hauptfiguren betrachtet wurden. Wobei sich in einer Reihe der Filme die jungen Protagonisten allein durchschlagen mussten. Die Natur – häufig repräsentiert durch tiefe und weite Wälder – spielte eine wesentliche Rolle. Im Sinne eines Jean-Jacques Rousseau sind es einsame „Emiles“, die in der Natur als spirituellem Ort auf sich gestellt sind, ferngehalten von den Ungerechtigkeiten der Gesellschaft. Ausgestattet mit einer Hoffnung, dass sie erst mit der Natur eins werden mögen, um zu reifen und tatsächlich frei sein zu können.Natur als Beschützer – JînIm GENERATION 14plus-Eröffnungsfilm hält reinste Natur Einzug in den Kinosaal. Es ist eine wilde Landschaft, in die uns der türkische Regisseur Reha Erdem in Jîn hineinversetzt. Faszinierende Berge, endlose Wälder, Natur voller innerer Ruhe und romantischer Abgeschiedenheit. Wir beobachten in den ersten Minuten Insekten in Makroeinstellungen, Schildkröten, Wildtiere und letztlich tritt ein majestätischer Hirsch ins Bild. Doch ehe es sich das Publikum in einem ‚Tierfilm‘ gemütlich machen kann, brechen wie aus dem Nichts Explosionen und Gewehrfeuer in die Landschaft und zerstören das Idyll in wenigen Augenblicken. Eine bewaffnete Gruppe Aufständischer sucht Zuflucht an einer Felskante. Wir sind im Gebirge der östlichen Türkei auf kurdischem Gebiet, seit mehr als 30 Jahren tobt hier ein Krieg. Einer der ‚Kämpfer‘ ist die 17-jährige Jîn. Bewaffnet mit einem Schnellfeuergewehr setzt sich das Mädchen heimlich von der kurdischen Rebellentruppe ab und wird fortan auf der Flucht sein. Vor der türkischen Armee, vor Gewehrschüssen und Angriffen aus der Luft, von denen selten klar wird, welche Seite der Urheber ist. Ein verwunschener Wald als Kriegsschauplatz. Völlig auf sich allein gestellt wird die Natur zu ihrem wichtigsten Begleiter und Beschützer. Gefahr droht Jîn vor allem, wenn sie Menschen begegnet. Nahezu mythisch wirkt eine Szene, in der das Mädchen auf einen Baum klettert, um aus dem Nest eines Raubvogels Eier zu holen. Der Muttervogel kreist kreischend über ihr, woraufhin sie nur eines der Eier nimmt und die anderen zurücklegt. In diesem Moment kommt eine Gruppe türkischer Soldaten in die Nähe, um zu rasten. Einer der Soldaten beginnt ein trauriges Lied zu singen, der Vogel dreht währenddessen still über den Bäumen seine Runden und Jîn wird nicht entdeckt. In einer anderen Sequenz versteckt sich das Mädchen vor einem Luftangriff in einem Höhleneingang, als ein großer Bär auftaucht und ebenfalls Schutz sucht. In nächster Nähe drücken sich beide gegen die Felsen. Als der Angriff vorbei ist, wirft Jîn dem Bären einen Apfel zu und beide gehen ihrer Wege. Beim Diebstahl von Essen und Kleidung in einem abgelegenen Bauernhof, nimmt das Mädchen auch ein Kinder-Lesebuch mit, wodurch deutlich wird, in welcher Zerrissenheit die Jugendliche zwischen Kriegseinsatz und Heranwachsen steht. Jîn zieht das gestohlene Kleid an und versteckt ihren Kampfanzug und das Gewehr in den Bergen, um sich auf den Weg zu fernen Verwandten im Westen der Türkei zu machen. Doch überall lauern Militärkontrollen und als Kurdin ohne Papiere ist ein Durchkommen aussichtslos. Reha Erdem zeigt einen selten thematisierten Konflikt. Dabei beschäftigt er sich nicht tiefer mit politischen Hintergründen. Er konzentriert die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges auf die Erlebnisse des kurdischen Mädchens. Wir erfahren nichts über Jîns Vorgeschichte, ihre Persönlichkeit bleibt bruchstückhaft und dennoch leiden wir in jedem Moment mit ihr und fürchten die Ausweglosigkeit. Spätestens als die Landschaft wieder bergiger wird und Jîn aus einer Höhle ihr Maschinengewehr und die Kampfkleidung hervorzieht, wissen wir, dass sie nicht weiter im Westen ist, sondern wieder an einen früheren Ausgangspunkt zurückkehren musste. Der Krieg ist noch nicht zu Ende. Wald als Zuflucht – The Cold LandsWeit zurückgezogen im Wald lebt der elfjährige Atticus mit seiner Mutter Nicole irgendwo im USBundesstaat New York. Ihr Zuhause ist ein abgelegenes Holzhaus und offensichtlich brauchen beide nicht viel mehr zum Leben. Die Mutter versucht, das Leben für sich und ihren Sohn unabhängig und frei von den Zwängen der Konsumgesellschaft zu gestalten. Nicole ist jedoch schwer krank. Die eher aufdringlichen Hilfsangebote einer Nachbarin lehnt sie ab und fürchtet, dass ihr und vor allem Atticus alles weggenommen wird, wenn sie nicht mehr für sich selbst sorgen können. Doch eines Tages ist es zu spät. Als Atticus auf dem Heimweg ist, sieht er wie seine tote Mutter aus dem Haus getragen wird. Sie hatte ihm noch vor einigen Tagen den Auftrag gegeben, keinesfalls mit der Nachbarin mitzugehen. Während Polizisten und Nachbarn am Haus auf Atticus warten, versteckt er sich im Wald, schläft im Moos und ernährt sich von Beeren und Pflanzen. Die Bäume geben ihm Sicherheit. Als die Erwachsenen beginnen, den Jungen zu suchen, verschanzt er sich immer tiefer in den Waldgebieten. Dort machen bedrohliche Waffenübungen und Brandstiftungen auch dieses Versteck für Atticus zunehmend gefährlich. Als er in eine brisante Situation gerät, rettet ihn Carter, ein Fremder. Auch er lebt ohne richtiges Zuhause, hat kaum Geld und lässt sich treiben. Carter fühlt sich aber für Atticus verantwortlich und entgegen seiner ursprünglichen Pläne, bringt er es nicht übers Herz, den Jungen wieder loszuwerden. So wird auch Carter bewusst, dass jeder auf den anderen angewiesen ist.Die Begegnung zwischen Carter und Atticus bildet einen Schnitt in der Geschichte und teilt Atticus’ Leben in die Zeit mit und ohne seine Mutter. Wir ahnen zwar, dass Atticus permanent die Begebenheiten in sich aufsaugt und dadurch lernt, dennoch bleibt er so schweigsam und vermeintlich in sich ruhend, wie von Anfang an. Immer wieder taucht Atticus’ Mutter in Visionen des Jungen auf. In einer Szene, als Atticus zu Carter sagt, „die meisten Leute wollen einfach nur glücklich sein. Das sagt meine Mama“, spürt man nicht nur, dass dies eine Lektion für den erwachsenen Carter ist, sondern auch dass der Junge nun bereit ist, für weitere Kapitel in seinem Leben, mit dem Bewusstsein, dass er es weiterhin ohne seine Mutter führen muss.Regisseur Tom Gilroy stellt Menschen in den Mittelpunkt seines Films, die am Rande der amerikanischen Gesellschaft stehen. Die Geschichte bleibt trotz erschreckender Erlebnisse für die Protagonisten unspektakulär und ohne Effekthascherei. Dies fesselt den Zuschauer auf eigenwillige, aber dennoch eindringliche Art und Weise. Silas Yelich als Atticus in seiner ersten Filmrolle stammt aus dem Ort, an dem gedreht wurde. Seine Kenntnis der Wälder unterstützte sein Spiel und beförderte den intensiven Bezug zur Natur. Lili Taylor (u. a. Arizona Dream, 1992, I Shot Andy Warhol, 1996, Das Geisterschloss, 1999) ist als Mutter Nicole großartig besetzt. Insgesamt ist The Cold Lands ein dichtes, in sich geschlossenes Drei-Personen-Stück. Beengende Weite – Hide Your Smiling Faces Und wieder Wälder. Weite, dünn besiedelte Landschaften im Nordosten der USA. Im Bundesstaat New Jersey spielt Hide Your Smiling Faces, das Debüt des Regisseurs Daniel Patrick Carbone. Auch bei ihm waren persönliche Bezüge zur Landschaft die Grundlage für die Geschichte und die Wahl der Drehorte.Die beiden Brüder Tommy und Eric stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Mit weiteren Kids aus der Nachbarschaft streunen sie durch die dunstigen Wälder und hängen an abgeschiedenen Seen ab. Es sind Sommerferien und die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Bis die Nachricht des Todes eines der Jungen aus dem Ort die Idylle erschüttert. Ian war gleich alt wie Tommy und wurde unterhalb einer stillgelegten Bahnbrücke gefunden. Das Unglück wirft viele Fragen auf, die es vorher nie gegeben hat. Was ist geschehen? Ist der Junge gesprungen oder war es ein tragischer Unfall? Für Tommy wiegt der Tod schwer, da er einen Freund verloren hat. Doch auch sein älterer Bruder Eric hat große Probleme mit dem Unglück umzugehen, das die gesamte Familie aus dem Lot zu bringen droht. Eric, als der Ältere, ist stets gefordert, vernünftig zu handeln. Er möchte seinem Bruder auch helfen, kann aber die eigenen Gefühle kaum kontrollieren. Schwäche zu zeigen, ist mit seiner Lebensphase nur schwer vereinbar. Eric belasten auch die Andeutungen seines Freundes Tristan, der begonnen hat, das Leben zu hassen. Daniel P. Carbone zeigt uns die Welt der beiden Brüder in Hide Your Smiling Faces als isolierten Mikrokosmos. Die anfänglich weite und wilde Natur wirkt plötzlich bedrohlich und morbide. Die endlose Landschaft wird enger und erdrückender, vor allem Eric merkt, dass er da raus muss. Der Wunsch, irgendwo anders zu sein, bringt eine neue Facette in das bisherige Leben der Familie. Die Eltern sind mit der Frage überfordert, die Eric stellt: „Wünschst du dir nie, woanders zu sein?“ Auch diesen Film zeichnet eine durchgängige, prägnante Stille aus. Für viele im Kino (und auch im Alltag) eine ungewohnte Erfahrung. Der tolle Titel des Films fügt einen roten Faden hinzu. Im Alter der Jungen steht der Wunsch nach Coolness und Härte dem Zeigen der inneren Befindlichkeit und der wahren Gefühle entgegen. Auf ihren Trips durch die Landschaft, mit dem Ziel, Abenteuer an den Seen oder in verlassenen Häusern zu erleben, steht ‚Lächeln‘ nicht auf dem Plan. Demgegenüber kann gerade in Momenten, in denen etwas anderes erwartet wird, ein Lächeln eine Waffe der Provokation sein, die wohl fast jeder Heranwachsende schon einmal gezogen hat, um sich gegen Konventionen zu stemmen. Eine Interpretation des Titels liefert uns der Filmemacher auch in einer Schlüsselszene, als die Eltern und Eric versuchen, Tommy die schlimme Nachricht vom Tod seines Freundes zu überbringen. Mitten im erschütterten Schweigen muss Eric nach einem Blickkontakt mit seinem Bruder plötzlich lachen. Weder er noch die anderen wissen warum, und so fehl am Platz diese Reaktion auch sein mag, sie könnte kaum emotionaler sein. Von allen verlassen – The Weight of Elephants Seit einigen Jahren bietet die Berlinale für junge Zuschauerinnen und Zuschauer von GENERATIONunter dem Titel „Cross Section“ ausgesuchte Filme aus anderen Sektionen. Ein herausragender Film (im dieses Jahr ohnehin starken FORUM der Berlinale) war die neuseeländischdänisch- schwedische Koproduktion The Weight of Elephants. Sicherlich kein Film für Kinder, sondern eher so wie es der Berlinale-Katalog treffend beschreibt, „eine universelle Geschichte für Erwachsene und solche, die es nie werden wollen.“In seinem ersten abendfüllenden Spielfilm führt uns der aus Dunedin/Neuseeland stammende Regisseurs Daniel Joseph Borgman direkt hinein ins trostlose Leben des zehnjährigen Adrian. Der Junge ist ein Einzelgänger, von seinen Klassenkameraden ausgelacht, von seiner Mutter verlassen. Er lebt isoliert am Rande einer Ortschaft im neuseeländischen Niemandsland im Haus seiner Großmutter. Sie und sein unter schweren Depressionen leidender Onkel Rory sind zunächst Adrians einzige Bezugspunkte. In den TV-Nachrichten wird die Entführung von drei Kindern gemeldet und zeitgleich bekommt Adrian neue Nachbarn. Er ist fasziniert von der gleichaltrigen Nicole und muss sich fragen, ob sie und ihre jüngere Schwester Joely nicht die verschwundenen Kinder sind. Vorsichtig freunden sich die Kinder an. Auch die beiden Schwestern tragen ein für sie schwer zu verkraftendes Geheimnis mit sich herum. Die jüngere Joely hat eine gewisse Unbeschwertheit bewahrt, mit der sie auf Adrian zugeht und die ihm sichtlich gut tut. Nicole hingegen fühlt sich genauso wie Adrian als Außenseiterin. Wie der Junge selbst wirkt sie mit ihren zehn Jahren als lägen die Facetten einer Kindheit bereits weit hinter ihr. So als hätte sie schon vieles erlebt und erduldet und als sei alles um sie herum einer Gewissheit gewichen, dass nichts im Leben zum Leben taugt. The Weight of Elephants hat eine großartige Ästhetik und die Geschichte wird mit viel Liebe zu Details und zu den Hauptprotagonisten erzählt. Daniel Joseph Borgmans Vorerfahrungen mit Visual Effects und Kolorierung sind spürbar. Behutsam lässt er uns an den Kontrasten zwischen Adrians tristem, teils hartem Alltag und seiner fantasiereichen Traumwelt teilhaben. Vor allem in Adrians Fantasie drückt sich dessen Isolation aus. Beispielsweise wenn er in einem alten, auf dem Trockenen stehenden Ruderboot sitzt und sich in die Wellen des Ozeans träumt. Adrian bleibt gleichzeitig nichts an realen Schicksalsschlägen und Gemeinheiten erspart. Der Hass seiner Schulkameraden scheint dabei sogar noch das Wenigste zu sein, was auf ihn hereinbricht. Seine Frage, warum ihn immer und immer wieder alles und jeder verlässt, ist berechtigt, bleibt aber unbeantwortet.Wenngleich im Film direkt kein Hinweis auf den Titel gegeben wird, so wissen die Zuschauerinnen und Zuschauer am Ende, dass es das Leben selbst ist, an dem wir schwer zu tragen haben. Es ist wie das Gewicht eines Elefanten, das einen tief nach unten ziehen kann. Und nur ganz am Ende, als wir schon gar nicht mehr damit rechnen, zeigt uns Borgman einen Hoffnungsschimmer.Es gibt die Chance, auf jemanden zu treffen, der die Kraft eines Elefanten hat, uns wieder nach oben zu ziehen und uns beweisen kann, dass jeder von uns für sich genommen, ein großer Wert ist. Ein außerordentliches Werk, das durch die großartige Kamera von Sophia Olsson und eine unglaubliche Schauspielleistung von Demos Murphy (Adrian) und Angelina Cottrell (Nicole) besticht. In einer dramatischen Schluss-Sequenz sind Adrian und Nicole nachts allein in einer alten Schwimmhalle. In Nicoles Augen ist es gleichgültig geworden, zu leben oder zu sterben. Als sie über die Abdeckungen des noch gefüllten Wasserbeckens balanciert und schließlich einbricht, überwindet Adrian seine Versagensängste, taucht hinterher und zieht sie in letzter Sekunde wieder an die Oberfläche. Es ist ein berauschend intensiver Moment, wenn sich die beiden Kinder weinend aneinander klammern. In einem einzigen Satz Nicoles erfährt Adrian all die Zuneigung und Nähe, die ihm sonst die ganze Zeit verwehrt geblieben ist: „Lass mich nicht mehr allein.“

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  • 10.21240/merz/2020.1.8
Digitale Gewalt – analoge Muster in digitalen Dimensionen?
  • Jan 29, 2020
  • merz | medien + erziehung
  • Susanne Heidenreich + 1 more

„Regierungen der industriellen Welt, ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die ihr über uns auszuüben anstrebt.“ Dieser vielzitierte und pathetische Satz stammt aus der von John Perry Barlow veröffentlichten Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace aus dem Jahr 1996. Gerade einmal 25 Jahre später ist die Verantwortung von allen, auch von diesen Regierungen bei der Suche nach Lösungen gefordert, wie diese neue Heimat eines Geistes zu (maß-)regeln ist, der selbst zum Tyrannen geworden ist. Die Zeiten, aus denen die Unabhängigkeitserklärung stammt, war verbunden mit der Idee eines neuen sozialen, kreativen und gemeinschaftlichen Miteinanders ‚im Internet‘, einer neuen Welt im Cyberspace. Abgesehen davon, dass sich die Begrifflichkeiten gewandelt haben (der Begriff Cyberspace mutet fast schon unzeitgemäß an), ist heute unverkennbar: Digitale Interaktionen bieten nicht nur Möglichkeiten für eine sinnstiftende, konstruktive und kreative Nutzung, sondern auch für Formen des zerstörerischen Gegenteils. In der öffentlichen Diskussion erscheint dieses Internet immer wieder als Nährboden für Hass und Hetze, als Sprachrohr für extreme Ansichten und als Herd für eine ‚verbale Giftsuppe‘. Aber auch weit über die Gewalt der Sprache hinaus werden digitale Instrumentarien des Netzes für die Überwachung, Kontrolle, Verleumdung oder anderweitige Bedrohungen gegenüber einzelnen Personen genutzt. Eine Übersicht über derzeit bekannte Phänomene in diesem Heft (siehe Glossar, S. 24 ff.) zeigt, wie breit das Spektrum digitaler Gewalt sein kann. Und es deutet an, wie weit digitale Aggression in das Leben eindringt. Die Eskalation von Gewalt gegenüber öffentlichen Personen und der Übergang von digitalen Attacken in den physischen, öffentlichen Raum finden regelmäßig ihren Platz in der medialen Berichterstattung. Was aber passiert bei digitaler Gewalt im häuslichen, alltäglichen Umfeld? Welche Aufmerksamkeit und Hilfe erfahren die Betroffenen von digitaler Aggression, die aus dem privaten Beziehungsumfeld ausgeübt wurden? Was passiert mit Ex-Partnerinnen bzw. Ex-Partnern, die privates Bildmaterial veröffentlichen? Oder mit Kindern, die selbst in den privatesten Momenten zum Postingmaterial ihrer Eltern werden? Mit Jugendlichen, die von ihren Eltern permanent digital kontrolliert und überwacht werden? Eltern, die von ihren Kindern in Sozialen Netzwerken verleumdet werden? Kinder, die von Kindern gemobbt werden? Die Aufzählung ist lang und zeigt: Digitale Gewalt ist im Privaten angekommen und lässt sich zumindest auf zwei Ebenen verorten: Zum einen der im obigen Zitat benannten staatlichen Überwachung und Kontrolle des Netzes durch Regierungen, die in Gewalt gegen Gruppen und einzelne Bürgerinnen und Bürger münden kann. Zum anderen tangiert sie Gewalt auf der privaten, persönlichen Ebene, mit dem Ziel, die Integrität einzelner Subjekte anzugreifen. Letzteres bildet den Themenschwerpunkt dieses Heftes. Die zentrale Ausgangsfrage dabei ist, ob digital ‚nur‘ fortgesetzt wird, was in der physischen Welt ‚aus Fleisch und Stahl‘ seit langem traurige Realität ist, oder ob Gewalt-Phänomene eine neue Qualität über ihre Ausübung im digitalen Raum erreichen. Wie analog ist also digitale Gewalt? Ein Konsens aller Beiträge zeigt: Digitale Gewalt kann nicht getrennt von ‚analoger Gewalt‘ betrachtet werden. Angewendet wird sie meist in Ergänzung oder zur Verstärkung von bestehenden Gewaltverhältnissen und -dynamiken (siehe Vobbe in dieser Ausgabe, S. 29 ff.). Hinzu kommt, dass sich die digitale Medienwelt nicht mehr mit einem Appell, einem Verbot oder der Löschung von einzelnen Beiträgen eines Senders, einer Produzentin bzw. eines Produzenten ‚ins Reine bringen‘ lässt. Sie konstituiert sich durch unzählige Beiträge, Einträge und Interaktionen der Netzgemeinde. Ganz im Sinne Barlows, der diesen entstandenen Geist jedoch noch als sozialen Raum ganz ohne Tyrannei vorstellte. Doch neben organisierten Netzwerken sind es eben auch die einzelnen Individuen, die mit ihrem Hass, ihrer Hetze und Gewaltaufrufen (virtuelle) Räume miterschaffen, in denen Gewalt ‚zusammenschweißt‘ und ein Klima der Angst geschürt wird. Juristische Mittel reichen nicht, um grundlegend digitale Gewaltakte zu verhindern. Hier ist – neben anderen Disziplinen – die (Medien-)Pädagogik einmal mehr gefordert, Konzepte für die Vermittlung ethischer Fragen des (digitalen) sozialen und damit demokratischen Miteinanders zu entwickeln und umzusetzen. Für die Soziale Arbeit kristallisiert sich die Aufgabe heraus, stärker als bisher Konzepte und Maßnahmen zum Schutz für die Betroffenen solcher Gewaltakte in der Beratungs- und Hilfepraxis einzubinden. Aus diesen Überlegungen heraus ergaben sich für uns als Fachredaktion folgende, die Auswahl der Beiträge leitende Fragen: Welche Formen digitaler Gewalt lassen sich differenzieren? Was passiert, wenn sich Attacken gegen Einzelne im digitalen Raum richten? Besitzt die Gewalt eine neue Qualität, zum Beispiel durch die bleibende und ständige Präsenz der persönlichen Gewaltattacke? Finden die Betroffenen adäquate Hilfe? Gibt es genügend und vor allem spezielle Beratungsstellen und/oder Hilfeangebote, die Betroffene nutzen können? Welche fachlichen Kompetenzen sind für eine zielführende Prävention notwendig? Welche staatlichen und nicht-staatlichen Stellen sind für welche Fragen im Zusammenhang mit Formen digitaler Gewalt geeignete Partner? Und nicht zuletzt: Werden Betroffene in ihrer – vielleicht ‚nur digitalen‘ – Verletzung ernst (genug) genommen? Handlungsbedarf Die intensive Arbeit an diesem Themenheft zeigte deutlich: Viele Beratungsstellen und Praxiseinrichtungen sind immer stärker mit dieser Problematik konfrontiert, sie sind ebenso für die möglichen und realen Folgen für das Leben der Betroffenen sensibilisiert. Doch was fehlt, sind sowohl kurzfristige Hilfestellungen als auch langfristig greifende Konzepte des Schutzes und der Prävention. Es fehlt zudem ganz grundsätzlich an Forschungen und Studien zu digitalen Gewaltformen, zu deren Auswirkungen auf das reale Leben für verschiedene Menschengruppen, zu nachhaltigen Schutzmaßnahmen und eine Offenlegung rechtlicher Leerstellen. Eine Ausnahme stellt hier das Thema (Cyber-) Mobbing unter Jugendlichen dar, das im Vergleich dazu häufig im Forschungsfokus steht. Die Recherchen nach medien- und sozialpädagogischen Modellen und Konzepten, die sich mit Formen digitaler Aggression befassen, zeigt: Es finden sich zwar viele engagierte Projekte im lokalen Raum oder begrenzt auf ein bestimmtes Phänomen (z. B. Hate Speech oder Mobbing), jedoch fehlt es an übergreifenden Konzepten, die sich den Phänomenen digitaler Gewalt grundsätzlich annähern. Für die pädagogische Praxis relevant sind diese Phänomene allesamt zweifellos, jedoch besteht die Schwierigkeit, diesen inhaltlich komplexen, multiperspektivischen Themenkomplex angemessen zu bearbeiten. Zusammen mit einer förderpolitischen Ausgangslage, in der langfristig angelegte Projekte meist nur geringe Chancen auf Umsetzung haben, verwundert es daher nicht, dass diese Leerstellen bestehen. Doch auch in der Forschung stellt sich das Thema Digitale Gewalt als ein komplexes Geflecht aus fundierten Erkenntnissen zur Gewaltforschung und (noch) unbekannten Auswirkungen im digitalen Leben dar. Eine Folge der sich stets ändernden, teils undurchschaubaren technischen Möglichkeiten, die sowohl die Formen von Gewalt verändern als auch deren Präsenz. Trotz der Erfordernisse gestaltete sich das Auffinden von wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren für die vorliegende Ausgabe als sehr schwierig. Um die Brisanz des Themenfeldes aufzeigen zu können entschieden wir uns, Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Praxisfeldern und der Praxisforschung in Form von Interviews zu Wort kommen zu lassen, was unserer Ansicht nach der allgemeinen Lage in diesem Themenfeld gerecht wird: Derzeit existieren mehr Fragen und Bedarfe als Antworten und Lösungen. Perspektiven auf digitale Aggression Im einführenden Artikel geben Nicola Döring und M. Rohangis Mohseni einen fundierten Überblick über Formen digitaler Aggression, deren Ursachen und den Herausforderungen bei der Prävention. Zunächst klären sie, was unter interpersonaler Gewalt und Aggression zu verstehen ist und welche Besonderheiten digitale interpersonale Gewalt aufweist. Sie differenzieren fünf Besonderheiten: Neben der Zeit- und Ortsunabhängigkeit und der Tatsache, dass sich interpersonale Gewalt im (teil-)öffentlichen Raum mittels Text-, Foto- und Videodokumenten realisiert, ist es vor allem die Möglichkeit, digitale Gewalt in unterschiedlichen Lebensbereichen der Betroffenen auszuüben und die Tatsache, dass digitale Spuren kaum endgültig gelöscht werden können. Immer wieder neue Begrifflichkeiten sind in diesem Themenfeld zu hören und zu lesen. Die Redaktion hat eine für dieses Heft relevante Auswahl in einem Glossar zusammengestellt. Ausgehend davon, dass Akte digitaler Aggression längst in die Sphäre zwischenmenschlicher Beziehungen eingedrungen sind, ist die Beratungspraxis vor neue Herausforderungen gestellt, insbesondere vor dem Hintergrund sich rasant entwickelnder technischer Anwendungen und Möglichkeiten. merz hat dazu drei Interviews geführt: Die Brisanz bei sexualisierter Gewalt mit digitalem Medieneinsatz sieht Frederic Vobbe in der Transzendierung der Gewalt. Digitale Medien fungieren als ‚Struktur-Verstärker‘, da die Verletzungen ursprüngliche Gewalthandlungen zeitlich, räumlich, technisch und psychosozial übersteigen. Er fordert eine kritisch-emanzipatorische Haltung in Schutz- und Präventionskonzepten ein, die nicht primär am individuellen Verhalten ansetzen. Dabei müssen verschiedene Gruppen an der Verankerung beteiligt werden. Er sieht vor allem die Anbieter digitaler Kommunikationsdienste in der Pflicht, denen es „unter dem Label von Freiheit“ hauptsächlich um ihre Profitorientierung geht. Gerade sie hätten die technischen Voraussetzungen für eine personalisierte Primärprävention und Aufklärung, für systematische Eindämmung von diskreditierenden Bild- und Videoaufnahmen und für eine Vernetzung der spezialisierten Unterstützungssysteme. Daneben brauche es weiterhin fundierte Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, die „Einsichten in die Dynamiken von Gewaltkontexten“ eröffnet. Vobbe fordert eine kollektive Haltung gegenüber sexualisierter Gewalt, was nur über umfassende Konzepte erreicht werden kann, die partizipativ erarbeitet werden. Ans Hartmann vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) stellt im Interview fest, dass geschlechtsspezifische Gewalt zunehmend digitalisiert wird und durch das Voranschreiten der Digitalisierung des Alltags auch technische Anwendungen und Medien in die Gewalthandlungen und -dynamiken integriert werden. Hartmann sieht hierdurch folgende Herausforderungen für Beratende: Sie brauchen weiterhin Zeitressourcen für eine intensive psycho- soziale Beratung und müssen über aktuelles Wissen über Formen digitaler Aggression verfügen. Immer häufiger sind sie mit technischen Aspekten konfrontiert, gleichzeitig können sie aber keine IT-Beratung leisten. Dieses Manko ortet Hartmann aber auch bei Polizei und Justiz, um effiziente und rasche Unterstützungsleistungen zu bieten. Insgesamt fordert Hartmann mehr finanzielle und personelle (Ab-)Sicherung der Beratungsstellen, aber auch der Behörden, die durch die neuen Anforderungen zum großen Teil an ihre Grenzen stoßen. Jugendliche in ihrer Lebenswelt zu verstehen, sie zu sensiblen Themen zu erreichen und ihnen bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen ist Ziel von JUUUPORT. Susanne Neuerburg erläutert, wie die Peer-to-Peer-Beratung der gemeinnützigen Organisation funktioniert und welchen Mehrwert dies bietet: Mit einer gleichberechtigten Beratung auf Augenhöhe begleiten jugendliche Scouts Kinder und Jugendliche und sorgen mit regelmäßigen Treffen zusammen mit psychologischer Beratung durch erwachsene Expertinnen und Experten für Erfahrungsaustausch. Während reale Gewaltattacken in interpersonellen Beziehungen häufig im Verborgenen bleiben, sind Formen digitaler Aggression teilweise mit Öffentlichkeit verbunden bzw. zielen gerade auf Wirksamkeit in der Öffentlichkeit ab. Marlis Prinzing erläutert anhand zahlreicher Beispielen und Belege, wie Personen, die in „der“ Öffentlichkeit stehen, von digitaler Aggression betroffen sind und welche Vorgehensweisen die Aggressoren verfolgen. Sie argumentiert aus einer ethischen Perspektive, welche Handlungsmöglichkeiten gestärkt werden müssen, wie zivilgesellschaftliche Akteure Einfluss nehmen können und macht eindringlich klar, wo Erfordernisse auf individueller aber vor allem auf gesellschaftlicher Ebene liegen. Abschließend wird ein besonderes Beratungsangebot, das Unterstützung bei digitaler Gewalt in seinen vielfältigen Formen bietet, vorgestellt. HateAid ist eine in Berlin ansässige Beratungsstelle, welche Menschen unterstützt, die im Netz mit digitaler Gewalt angegriffen werden. Ihre Besonderheit liegt in der Unterstützung bei der Rechtsdurchsetzung. Hier übernimmt HateAid in entsprechenden Fällen auch die Finanzierung von Zivilklagen. Conclusio Diesen Themenschwerpunkt zu konzipieren und umzusetzen war von Herausforderungen begleitet, die auch sinnbildlich dafür stehen können, wie digitale Gewalt verhandelt wird: Eine erste Herausforderung betrifft die Diskussion um Begriffe in diesem sensiblen Themenkomplex: Wie Döring und Mohseni ausführen, sind immer wieder neue Begrifflichkeiten im Umlauf, die aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich analoge Gewalt und solche mittels technischer Hilfsmittel immer stärker verzahnt. Zweitens sind abseits des Themas (Cyber-)Mobbing deutliche Lücken sowohl in der wissenschaftlichen Beschäftigung als auch in der konzeptionellen Arbeit der Prävention zu konstatieren. Übergreifend wird deutlich, dass es zwar auf der individuellen Ebene wichtig ist, vor allem Kinder und Jugendliche stark zu machen gegen die Zumutungen, die ihnen medienvermittelt begegnen. Daneben braucht es jedoch umso mehr eine breitere gesellschaftliche Diskussion zu den sozialen Welten, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen. So haben Kommunikations- und Medienanbieter letztlich fast freie Hand in der weiteren Verfügung über die Daten der Nutzenden und geben wenig Einblick in ihr Geschäftsgebaren mit dieser höchst wertvollen Währung. Ihre Kommunikationsdienste sind gleichzeitig für Kinder und Jugendliche äußerst attraktiv. Wenn es um die ethische Verantwortung für das Ausüben digitaler Formen von Aggression und die Folgen auf Seiten der Betroffen geht, bleiben die Anbieter aber zumeist außen vor und die Konzepte erschöpfen sich im individuellen Aushandeln und dem Schutz vor gewalthaltigen Handlungen online. Aus den Interviews wird eine dritte Herausforderung offenkundig: Die Netzwerkarbeit unter Betroffenen, Beratungsstellen und allen Einrichtungen, die mit Gewalt befasst sind, ist stärker zu forcieren. Nur durch Unterstützungsnetzwerke fühlen Betroffene, dass sie nicht alleine gelassen werden. In einem solidarischen Zusammenschluss können auch die Beratungsstellen zeigen, dass alle Formen von Gewalt zu ächten sind. So kann ein gesellschaftlicher Diskurs angestoßen werden, in dem gemeinschaftliche und partizipative Handlungsweisen zu einer solidarischen Weiterentwicklung von Gesellschaft beitragen und wieder etwas vom Ursprungsgeist des Internets zu spüren ist. Eine offene Frage bleibt, ob sich ‚die Gesellschaft‘ derzeit tatsächlich polarisiert und radikalisiert. Ist dies ein realer Trend, oder entsteht ein verzerrtes Bild der Gesellschaft durch die lautstarken und gewalttätigen Äußerungen Einzelner? Kommt vielleicht solidarisches, gemeinschaftliches Handeln ohne Lautstärke aus und vollzieht sich über andere Kanäle? Für eine Vision des globalen sozialen Raumes, in dem kreatives, gemeinschaftliches und partizipatives Handeln bestimmend ist, würde es sich lohnen, diesen Fragen aus Sicht von Forschung und Praxis nachzugehen.

  • Research Article
  • 10.5771/0588-9804-2025-2-125
Das Sakrament der Natur: Öko-theologische Perspektiven
  • Jan 1, 2025
  • Concilium
  • Peter Chong + 1 more

Jeder Besucher der Fidschi-Inseln ist sofort von ihrer natürlichen Schönheit beeindruckt – blaues Meer, unberührte Strände, strahlender Sonnenschein, sich wiegende Palmen und üppige grüne Wälder. Die Fidschianer kennen dies unter dem Namen Vanua . Doch neben dieser Schönheit sind die Vanua auch durch die Globalisierung und den Klimawandel verwundbar. Die Globalisierung überwältigt die schwache Wirtschaft Fidschis und nutzt sie aus. Die fidschianische Wirtschaft dient inzwischen den Interessen der reichen und mächtigen Nationen, während die Menschen vor Ort ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage beraubt werden. Der Klimawandel äußert sich in Form von sich ändernden Wettermustern, Korallenbleiche, steigendem Meeresspiegel, Wirbelstürmen, Überschwemmungen und in jüngster Zeit durch die Erosion der Küstenlinien. Die Fidschianer leben mit diesen Extremen, aber auch mit der Zerstörung ihrer Inseln und Ozeane durch die Gier eigennütziger Nationen und Großkonzerne. Wir werden argumentieren, dass die fidschianischen Völker des Vanua , wenn sie die Verwundbarkeit des Kreuzes erkennen und annehmen, zu Zeichen und Werkzeugen der Gegenwart Gottes in einer zerbrochenen Welt werden.

  • Research Article
  • 10.1353/gyr.2011.0157
Goethes Kantstudien: Eine Zusammenstellung nach Eintragungen in seinen Handexemplaren der "Kritik der reinen Vernunft" und der "Kritik der Urteilskraft" (review)
  • Jan 1, 1996
  • Goethe Yearbook
  • Ernst Behler

336 Book Reviews ctoated by some coincidence of detaü tiiat I myself had not observed. What seemed best to me on the whole was me fact that die case was made—and convincingly made—for the need to explore possible grounds for Goethe's assertion of the centraUty of the "Bekenntnisse" to terms of both structure and meaning. What Neumann has done is to underscore the hidden esotericism of the writing and to encourage further exploration of the text with this to view. As I said earUer, however, this book seems to me not altogether satisfactory to terms of structure. Apart from the second section ("fnitiationen"), which focuses on the recurrent ritualized process of consecration/initiation and only makes up about a quarter of the whole, much of the rest shows a famUiarity with materiai that is more suggestive than conclusive to terms of its support value. Given that tiiis is so, one wonders whetiier there reaUy was a book here. I myself think that on die whole die material presented would perhaps have been better suited to presentation as a lengthy article, with Part B cut down to about half its size and integrated into die remainder of die text. fn fairness, f should say tiiat widi my own particular interest to Goethe's mode of writing, I found die book a stimulus to further reflection on die broader issue of esotericism. This was not its purpose or main thrust, however, and it is a matter of some doubt to me whether others whose focus is rather different from mine would find die book equaUy interesting. University of Toronto Deirdre Vincent Géza von Molnár, Goethes Kantstadien: Eine Zusammenstellung nach Eintragungen in seinen Handexemplaren der "Kritik der reinen Vernunft" und der "Kritik der Urteilskraft" (Schriften der Goethe-GeseUschaft, 64. Band). Weimar, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, t994. 358 pp. The subject of this comprehensive documentary work is Goethe's study of Kant, to odier words, notiitog less than the reception of the greatest phUosopher of that time by its most esteemed Uterary person. One usuaUy assumes that tiiis encounter took place during the years of Goethe's friendship with Schüler (1794 to 1805) and tiiat he had to be drawn to die terrain of speculative phUosophy aüen and even repulsive to his more empiricaUy inclined mind. Goethe himself nurtured tiiis impression when he declared tiiat for phUosophy to the true sense, he lacked the requisite "organ" ("Emwirkung der neueren Phüosophie," HA 13:25) and tiiat Kant's Critique of Pure Reason, first published to 1781, was totaUy outside of his ken (13:26). Yet this situation changed already to 1790, when Kant's Critique of Judgment appeared and induced a "highly joyful period of Ufe" for him (13:27). In tiiis text Goethe saw the two basic subjects of bis own pursuits , art and nature, juxtaposed, and, what is more, both were denied a final purpose, which meant for him that both were established in dieir own right. Goethe says about this discovery: Wenn auch meiner VorsteUungsart nicht eben immer dem Verfasser sich zu fügen mögUch werden konnte, wenn ich hier und da etwas zu vermissen schien, so waren doch die großen Hauptgedanken des Werks meinem bisherigen Schaffen , Tun und Denken ganz analog; das innere Leben der Kunst so wie der Natur, Goethe Yearbook 337 ihr beiderseitiges Wirken von innen heraus war im Buche deutüch ausgesprochen . Die Erzeugnisse dieser zwei unendUchen Welten soUten um ihrer selbst wiUen da sein und, was neben einander stand, wohl/wr einander, aber nicht absichtlich wegen einander. (13:28) It is this period to Goetiie's Ufe, die winter of t790-9f, which is the subject of Géza von Molnár's tovestigation. Goethe adds tiiat the study of die Critique of Judgment also made the Critique of Pure Reason accessible to him, stoce both works not only originated from die same spirit, but also mutuaUy referred to each other. Wim emotion he remembers the passages to the two works he underlined or marked in die margin during that winter (13:28). These pencüed markings, stiU visible to Goethe's own copies, form the...

  • Single Book
  • 10.5771/9783748940715
Schattenwelten
  • Jan 1, 2023
  • Lucian Hölscher

Die Aufklärung verstand sich nicht nur als ein Zeitalter des Lichts, sie entdeckte auch das Dunkel als dessen notwendige Ergänzung. So entstand die Idee einer Schattenwelt, in der andere Gesetzmäßigkeiten herrschten als am Tage. In ihnen lebten die Geister, erneuerte sich das Leben der Menschen und der Natur. In den Schattenrissen und Scherenschnitten der Zeit wurden sie von einer neuen, überwiegend weiblichen Künstlergeneration in Szene gesetzt. Lucian Hölscher zeigt in seiner kunst- und geistesgeschichtlichen Studie die Ursprünge und Gestaltungsprinzipien einer neuen Kunstgattung, die nicht mehr wie Malerei und Zeichnung auf dem Prinzip der Ähnlichkeit beruhte, sondern die Spur ihres Objekts im Schatten bewahren wollte.

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